04.-12. Juli 2024: Winterparka


Winter ist zwar noch lange nicht, aber bevor der kommt, soll mein neuer Parka fertig werden. Das Projekt ist ambitioniert, und ich traue mich auch mal, einiges für gutes Material auszugeben. Der Aussenstoff ist Baumwolle, und zwar Zeltstoff aus dem ESVO-Shop, und zwar KS-202 mit 310g/qm in schwarz. Aus dem Stoff hatte ich mir bereits eine blaue Regenjacke genäht, die sich bisher bewährt hat. Für das Innenfutter fand sich im lokalen Handel ein schöner Stoff aus Baumwolle/Leinen -Mix mit 180g/qm in einem passenden Muster. Der Parka wird gut isoliert, und zwar mit 'Climashield Apex Endlosfaser Isolation 133g/qm' aus dem Extremtextil-Shop. Der Loft ist mit 19mm angegeben. Der fertige Parka kam auf 2,1kg, also kein Leichtgewicht. Der Aufwand war recht hoch, eine Herausforderung, aber nochmal muss ich kein vergleichbares Projekt angehen.
Das Schnittmuster ist der 'Men Military Parka' von 'Schnittherzchen'. Hier habe ich allerdings einige Änderungen gemacht: Der Schnitt ist um 10cm verlängert, wobei der 'Schwalbenschwanz'-Einschitt am Rückensaum auf der gleichen Höhe endet wie zuvor. So ist das Fahrradsattel-freundlich. Ausserdem habe ich meine eigenen Taschenideen umgesetzt. Es gibt riesige Brusttaschen mit seitlichem Eingriff, wo man auch Hände mit Handschuhen lässig rein hängen kann.

Vom Vorderteil entstehen zuerst die Taschenklappen der 'riesigen Brusttaschen'.

Die Brusttaschen entstehen als eigenes Segment doppellagig. Da dran werden Schulter und Bauch angesetzt. Als Verschluss reicht je ein Druckknopf. Sollte Wasser eindringen, die innere Lage ist aus dem gleichen Material wie aussen. Es dringt also nicht nach innen durch. Wenn nötig wird eine Ablauföse in den Aussenstoff eingesetzt.

Jetzt entsteht die Kapuze. Hier die Zuschnitte.

Und fertig genäht. Der Futterbeleg kommt später dazu. Den rückwärtigen Streifen habe ich einteilig ausgeführt. Warum der Schnitt hier eine Mittelnaht vorsieht, erschliesst sich mir nicht. Es sind sowieso schon viele Nähte in der Kapuze, die Wasser durch lassen können. Das kommt aber immerhin der Passform zugute.

Und so sieht es dann im Ganzen aus. Ursprünglich wollte ich noch weitere Taschen aufsetzen. Da der Stoff aber recht robust ist, wäre das zu steif geworden.
Das Rückenteil ist auch fertig, zu unspektakulär für ein Foto.

Es ist toll, dass das Schnittmuster vorgeformte Ärmel vorsieht. Nur optisch lassen mich die offenen Falten zweifeln. Die üblichere Variante ist, Dreiecke abzunähen. Dafür muss man weder den Schnitt, noch die markierten Faltenlinien ändern. Die Dreiecke sind ca. 7cm lang (+NZG). Der Überstand wurde auf 10mm zugeschnitten.

Das gefällt mir besser. Hier noch von innen zu sehen. Die Nähte wurden flach gebügelt so weit wie es in die Spitzen hinein geht.

Ärmel und Reissverschluss mit Untertritt folgten als nächstes, und damit sieht es schon nach Mantel aus. Der Übertritt kommt erst zum Schluss dran, wenn Futter und Belege eingesetzt sind, damit hier keine Sichtnaht doppelt übereinander genäht werden muss.

Die Nähte um Kapuze und Schultern herum wurden mit Seam Grip abgedichtet. Alle Nähte im Aussenstoff werden von aussen noch gewachst. Bevor das Futter eingenäht wird, gibt es einen Dichtigkeitstest unter der Dusche.

Das Innenfutter bekommt linksseitig eine Innentasche mit Druckknopf, und eine große Zeitungstasche. Da hinein sollen auch Din-A4 Hefter passen.

Die Futterjacke ist nahezu fertig. Die zu nähen war keine schöne Arbeit. Das Ergebnis ist aber gut. Zum Zusammennähen der Isolierung hat es sich bewährt, Papier drunter zu legen. Das wird mit angenäht und dann abgerissen. Als Nähmaschinen-Füsschen hat sich ein einseitig offener Reißverschluss-Fuß bewährt. Sonst verheddern sich einzelne auf den Fuß auflaufende Fasern. Alle Isoliervlies-Teile wurden jeweils an die Nahtkanten des Futterstoffes angesteppt, sowie aussen rum an den Reißverschluss-Belegen und Saumkanten. Es fehlen noch ein paar 'Quilt'-Nähte zur Unterstützung.

Der Schulter/Nacken-Bereich hat eine zusätzliche Lage Wollstoff bekommen. Hier wird das Isoliervlies vom Gewicht der Jacke komprimiert. Der Wollstoff ist mit groben Handstichen fixiert.
In den Unterarmen habe ich später die Isolierung ausgedünnt, das war einfach zu viel. Hier noch ein paar Details:

Im Rücken gibt es ein Taillienband. Das besteht aus einem flachen Gurt, der durch die Futterjacke durchgeführt ist. Mit Klemmschnallen lässt es sich einstellen.

Die Kapuze hat eine Tiefenverstellung bekommen, da sie sehr voluminös ist. Nachdem die Isolierung drin war, schien die Verstellmöglichkeit aber nicht mehr nötig zu sein. Es ist immerhin ein interessantes Detail.

