05. Juni 2024: Regenjacke aus Baumwoll-Zeltstoff
Meine alte gekaufte Membran-Regenjacke einer bekannten Marke verliert ihre Membran. Für Alltagszwecke ist so eine moderne Funktionsjacke unnötig, daher steht vorerst kein Neukauf einer Membranjacke an, auch aus Umweltschutzgründen. Im Kleiderschrank befindet sich noch ein Anorak aus Etaproof-Baumwolle, den ich 2011 mal genäht hatte und der immernoch dicht ist. Er ist nur etwas umständlich, da man ihn über den Kopf ziehen muss. Ansonsten ist Baumwolle auf angenehme Art atmungsaktiv und hinreichend wasserdicht. Ich habe noch eine vintage-Barbour Jacke in gutem Zustand. Die ist in der wärmeren Jahreshälfte aber immer zu warm, und mir ist der Stoff zu dünn und zu empfindlich. Baumwoll-Zeltstoff dürfte dagegen ziemlich unverwüstlich (im Alltag) sein.
Ein passender Schnitt fand sich schnell, bekannt unter dem Namen 'Jack mit Zipper', bestellbar bei Funfabric. Als Stoff kam Zeltstoff aus dem ESVO-Shop zum Einsatz, und zwar KS-202 mit 310g/qm in Dunkelblau.
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Der Schnitt ist sehr weit, das ist auch so beschrieben. Für mich passte Größe L, wobei ich sonst immer XL trage. Sowohl die Ärmellänge als auch die Rückenlänge passen perfekt (eher zu lang als zu kurz). Unter die Jacke passt locker eine dicke Strickjacke, und auch meine Lodenjacke, die immernoch im Einsatz ist. Sie trägt sich sehr bequem.
Abweichend von der Vorlage aus dem Schnittmuster, habe ich die Frontteile spiegelverkehrt ausgeführt. Die nun nach links offene Reißverschlussabdeckung wird nun von einer zusätzlichen, nach rechts offenen Abdeckung überdeckt. Somit ergibt sich eine doppelte Reißverschlussabdeckung, die stärker regendicht ist. Dann reichen auch nur 4 Druckknöpfe aus, und die sitzen auch nur in den Abdeckungen, nicht im Hauptstoff. Meine Jacke hat noch Ärmelriegel zur Weitenverstellung und Zugschnüre an Kapuze und Bund, sowie einen Kapuzenschirm an der Kapuze. Die Kapuze hat übrigens eine gute Passform. Äußere Taschen und weitere Details wurde nicht ausgeführt, damit es keine weiteren Nähte gibt, die undicht sein könnten.
Alle Nähte sind als sogenannte französische Naht ausgelegt. Während man bei einer normalen Naht 10mm Nahtzugabe gibt und diese 'auf links', also linke Seiten aussen, vernäht, schneidet man für die französische Naht 15mm NZG aus. Dann steppt man zuerst 'auf rechts', also rechte Seiten aussen, mit 5mm Abstand ab. Dann schlägt man die Naht auf links. Dazu die Naht zuerst flach bügeln und dann scharf umbügeln. Nun näht man wie gewohnt in 10mm Abstand eine zweite Naht. Der Nahtüberstand auf der Rückseite ist dann schon perfekt eingefasst und muss nicht mehr versäubert werden. Ich habe dann noch alle Nähte, bis auf die in den Ärmeln, nach Anleitung flach gebügelt und angesteppt.
Da es gerade nicht regnet, musste die Jacke unter der (warmen) Dusche getestet werden. Dabei wirkte an den Ärmelnähten das Nähgarn, ein 25er Rasant, wie ein Docht. Das Wasser zog durch und weiter ins T-Shirt. Daher wurden diese Nähte von innen mit Seamgrip eingestrichen. Alle Nähte wurden dann noch von innen und aussen mit Wachs versiegelt. Nun dürfte nichts mehr passieren. Da die Lichtechtheit des Stoffes nur mit 4 = 'ziemlich gut' angegeben ist, habe ich ein Reststück in die Sonne gehängt. Dann kann ich ggf. Veränderungen frühzeitig erkennen. Der Stoff mag verblassen, ich hoffe aber, er wird nicht rotstichig.
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Auf der Innenseite habe ich eine Tasche ergänzt. Diese ist nur am unteren Saum angenäht, die oberen Ecken sind genietet. Hier entstehen also keine zusätzlichen Nähte. Die Tasche ist doppellagig. Das von innen aus gesehen hintere Fach ist seitlich offen. Da sollte man nichts rein stecken, was raus rutschen kann. Bücher sind natürlich schon eher zu schwer und dienen hier nur der Demonstration.
Den Schnitt von Jack mit Zipper werde ich sicher noch einmal verwenden. Vielleicht für eine gemütliche Woll-Fleecejacke.

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