11. Februar 2018 Mein Fazit zu Loden als Alltagsstoff, und meine neue Lodenhose
Es ist schon fast ein Jahr her, dass ich mir eine Jacke und eine Weste aus Loden genäht hatte. Diese beiden Teile habe ich seit dem ständig im Einsatz, von zu warmen Wetterlagen mal abgesehen. Aber die Wetterreichweite ist sehr groß. Von winterlichen Schneeschauern über frühsommerliche Regengüsse bis zu windigen Herbsttagen, ich bin restlos zufrieden mit den Teilen. Fahrradfahren an nassen Tagen? Kein Problem (auf meinen Kurzstrecken, längere Touren bin ich noch nicht gefahren). Bisher ging der Regen nicht durch, gleichzeitig zieht aber die Luft immer leicht durchs Gewebe und transportiert den Schweiss ab. Das ist fantastisch, Schwitzen war gestern.
Die Weste wärmt auch zu Hause auf dem Sofa an kühlen Abenden gut.
Einziger Nachteil ist, dass die Wolle nicht schnell trocknet. Da muss man schon drauf achten und die Teile immer luftig aufhängen.
Als kleines privates Upcyclingprojekt ist Loden-Upcycling also ein voller Erfolg. Es setzt ein Zeichen gegen den Klamottenwahn, wie er immer wieder in den Medien berichtet wird. Leider ist das keine Lösung, die sich im großen Maßstab umsetzen lässt 2018 Nicht jeder kann sich seine Klamotten aus Altkleidung selber nähen.
Nun wollte ich auch die Kunstfaser-Funktionshose zu ersetzen, die ich bei nasser Witterung trage. Ich habe mir eine Lodenhose genäht.
Leider gibts keine Fotos. Schon mal versucht, eine komplett schwarze Hose zu fotografieren? Da kommt nichts interessantes bei rum.
Grundlage war ein Schnitt für eine Outdoor-Cargohose, die Burda Style 129 Herrenhose.
Vom Ausdruck habe ich mir erst mal die Teile auf Packpapier durchgerädelt. Dann Anpassungen gemacht 2018 Die Beinenden sollten 'Boot-Cut' werden. Dafür habe ich die Bein- Vorder- und Rückseiten jeweils beidseitig ab Kniehöhe um 2cm breiter auslaufen lassen. Das ergibt 8cm mehr Umfang am Saum. Dann habe ich die Hosentaschen und die Nähweise der Jeans übernommen, die ich vor knapp einem Jahr genäht habe. Die Nähanleitung von Burda ist nicht besonders gut... ich habe aber den doppelten Hosenboden übernommen. Auf dem Fahrradsattel gibts Verschleiss.
Als Material dienten zwei schwarze Damenmäntel, die ich ebenfalls vor einem Jahr zusammen mit den anderen Mänteln gekauft und seit dem aufbewahrt hatte. Zum Glück war der Loden beider Mäntel optisch identisch, leider haben beide einen Kunstfaseranteil. Für eine Hose ist das vielleicht nicht ganz verkehrt, weil evtl. noch etwas robuster, aber bevorzugen würde ich das nicht.
Die Mäntel wurden wieder vom Futter befreit, gewaschen und mit Wollfett vorbehandelt, dann zerlegt. Ich musste die Beinteile hier und da zusammenstückeln, damit es passt. Es sind viele Reststücke für spätere Projekte übrig. Ein einzelner Mantel hätte aber nicht ausgereicht.
Alle Arbeiten zusammen haben 18 Stunden gedauert. Das Ergebnis ist eine superbequeme, weit geschnittene Hose, die um die Hüfte gut sitzt. Sie könnte zu meiner Lieblingshose zu werden. In warmen Innenräumen ist sie vielleicht mal zu warm, ich heize zu Hause aber nur bis knapp unter 20 Grad.
Die Hose verwende ich 8 Jahre später immernoch an kalten Wintertagen. Allerdings ist sie mir um die Hüfte rum inzwischen zwei Nummern zu weit...