23. Februar 2017: Loden aufbereiten und imprägnieren.
So bereite ich mir Lodenstoff von alten Mänteln auf.

Während die einen (also ich :-) Altkleider upcyclen, geht in großem Maßstab die Billigplastikklamotten-Wegwerfgesellschaft munter weiter. Heute im Spiegel ein kurzer Anriss dazu: Warum Polyester einen sagenhaften Boom erlebt Zitat:"Alle paar Wochen fluten die Modeketten ihre Läden mit neuen Kollektionen, die Kunden sollen kaufen, kaufen, kaufen. Also muss es günstig sein - und das geht vor allem durch viel Plastik. [...] Immer mehr. Immer öfter. Immer billiger. So lautet der Dreiklang der Modeindustrie [...] Fast Fashion ist der Fachausdruck [...]"
Zum Kotzen. Na solange die geschredderten Plastikmüll verarbeiten ist es noch das kleinere Übel. Wolle aus Massentierhaltung oder Baumwolle aus vergifteten Feldern, das wäre noch schlimmer auf dem Massenmarkt. Aber wer da wen oder was ausbeutet ist der Generation Pisa anscheinend egal. Die Klamottenindustrie jubelt...
Naja, sie sind jung und lernen vielleicht noch dazu.
Gestern kam nach zwei unbrauchbaren Mänteln (Plastikanteil und zu klein) endlich auch ein guter. Den kann ich verwenden für eine erste Jacke. Der Stoff sieht aus wie neu, und macht einen haltbaren Eindruck. Vielleicht reicht es noch für eine anknöpfbare Kapuze, mal sehen.
Den Loden-Spendermantel habe ich gestern mal in der Waschmaschine mit lanolinhaltigem Wollwaschmittel gewaschen.
Was habe ich gelernt?
- Das Innenfutter vor dem Waschen rausschneiden und nur den Lodenstoff in die Waschmaschine geben. Sonst trocknet es ewig und drei Tage.
- Guter Lodenstoff sollte gleich nach dem Waschen frisch imprägniert werden. Das natürliche Wollfett macht den Loden wetterbeständig und haltbar, also sollte das erneuert werden.
Zum Imprägnieren: Ich habe mir in der Apotheke 50g Wollwachs (riecht nach Schaf) für 5,64 Euro gekauft. Nach dieser Anleitung wird davon ein Teelöffel zusammen mit genausoviel Wollwaschmittel in heißem Wasser aufgelöst und damit ein Kaltwasserbad für den Lodenstoff angerührt (gut durchrühren und dann erst den Stoff rein). Ich habe dafür einen großen Ortliebbeutel mit Rollverschluss verwendet und die ganze Luft herausgedrückt. Den Stoff würde ich eher über Nacht in dem Bad lassen und dann leicht auswringen und zum trocknen aufhängen. Ich hatte dazu aber nicht genug Zeit, ein langes Wochenende steht an, an dem ich die Jacke nähen will. Also habe ich es bei zwei Stunden belassen und den Stoff anschliessend in der Waschmaschine mit dem Schleuderprogramm bei 800 U/min geschleudert. Es scheint ihm nicht geschadet zu haben. Und am nächsten Morgen war er schon fast trocken. Ich würde aber keine fertige Kleidung schleudern, das wäre mir zu riskant. Aber zum Glück muss man Oberbekleidung aus 100% Wolle ja fast nie waschen.
