29. Juni 2023: Pfaff 134 angeschafft

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Inzwischen sind einige Nähprojekte abgeschlossen, darunter auch einige gröbere. Da kommt der Wunsch nach einer größeren Maschine auf.
Was mir an der Pfaff 31 gefällt: Sie ist leichtgängig, zuverlässig und näht saubere Nähte.
Was ich nicht brauche: Eine Maschine, die schwergängig ist, herumzickt und geradeaus keine sauberen Nähte abliefert. Also keine Zickzack-Maschine. Eine Zickzack-Funktion müsste in einer zweiten Maschine zur Verfügung stehen, die dann bei Bedarf eingesetzt wird, - und solange nicht bei 99% der Projekte unnütz stört.
Daher wurde es eine Pfaff 134. Für die schliesslich gekaufte Maschine sprach der Preis: 30 Euro. Dafür ist es auch in Ordnung, dass ich sie selber auf Tretantrieb umbaue. Ausgestattet war sie mit einem schweren Kupplungsmotor.
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So sah die Maschine im ungereinigen Originalzustand aus. Laut Seriennummer wurde sie 1952 hergestellt.
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Die Stichplatte hat schon eine Menge Einschläge überstehen müssen. Die Kanten konnten aber geglättet werden.
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Tretantrieb bevorzuge ich mit Abstand vor Motorantrieb. Das ist viel entspannender. Die Hand-Fuß-Augen-Koordination hat eine meditative Wirkung. Daher muss die 134 nun auch mit Tretantrieb laufen. Als Antriebsriemen kommt ein 8mm Lederrundriemen zum Einsatz. Der packt was an.
Damit sich die Tretkräfte in Grenzen halten, wird für den Umbau auf Tretantrieb ein schwereres Schwungrad benötigt, und gleichzeitig eine kleinere Übersetzung. Dadurch lässt sich die Maschine butterweich antreiben, auch bei dickeren Materialien. Das Schwungrad wurde aus einer 1,5kg Hantelscheibe gedreht. In die zentrale Bohrung wurde ein Drehteil aus Messing eingeklebt.
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Jetzt ist die Übersetzung bei 3,5 Stichen pro komplette Tretbewegung. Bei der Pfaff 31 waren es 6, und da bin ich nie Vollgas gefahren. Also hat die Maschine nun ordentlich Wumms. Schnell Meter machen ist nicht das Ziel.
Von der Pfaff 31 bin ich es gewohnt, dass der Stichlängenhebel da stehen bleibt, wo ich ihn hin stelle. Bei der 134 wird er auf Vorwärts zurück gezogen. Das wurde geändert. An die zuständige Feder wurde von unten eine Schnur angeknotet und damit die Feder ausgehängt (Befestigungsblech abgeschraubt). Mit Hilfe der Schnur kann man sie auch wieder einhängen. Die Klemmung des Stellhebels auf seiner Achse konnte an einer Schraube strammer gestellt werden. Da kommt man gut dran durch die hintere Öffnung.
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Die Greiferwelle hatte Spiel in den Winkelgetrieben, das machte unschöne Geräusche beim Nähen. Also wurde zunächst das untere Kegelgelenk geöffnet. Es fand sich altes Fett, aber hier kein Spiel.
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Gereinigt (auf dem Foto noch vor der Reinigung)...
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...und mit frischem Fett versehen, konnte das wieder geschlossen werden.
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An das obere Getriebe kommt man nicht so gut heran, aber ein Versuch schadet ja nicht. Hier kam das Spiel her. Ich konnte das Kegelrad auf der Armwelle etwas verschieben. Dabei muss man darauf achten, dass es sich nicht auf der Welle verdreht, sonst stimmt das Greifertiming nicht mehr. Das hat geklappt und das Spiel war weg. Auch das vorher vorhandene Längsspiel in der Armwelle verschwand. Mit frischem Fett zusammengesetzt, und dann eine Nähprobe gemacht. Das Timing stimmt noch, und die Maschine macht kaum noch Geräusche. Nur ein sanftes mechanisches Flüstern, wie schön!
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Die Maschine ist nun fertig. Sie bekam die übliche Reinigungsprozedur. Es war reichlich Schmodder innen und aussen. Abgeplatzter Lack stört mich nicht. Das ist kein Ausstellungsstück, sondern muss noch viele Meter machen.
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Der Tisch brauchte einige Zuwendung. Der Motor wurde abgeschraubt und statt dessen die Tretplatte mit der Riemenscheibe verbunden:
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Die Kurbelstange besteht aus einem M8-Gelenkkopf, einer M8 Gewindestange, der am oberen Ende in der Drehbank ein M6-Gewinde angearbeitet wurde, und dem M6-Gelenkkopf, der schon immer ungenutzt an der Riemenscheibe dran war. Alles wurde gereinigt und geschmiert und lief dann wie neu.
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Die Vorbesitzerin hat in der Tischplatte tiefe Eindrücke hinterlassen. Die wurden mit Epoxy aufgefüllt und verschliffen. Die Platte wurde wohl früher mal rot lackiert, davon sind nur Reste übrig. Das gibt eine schöne, wenn auch nicht originale Oberflächenpatina. Es gehört zur Historie der Maschine. Die Platte wurde 2x mit Hartöl geölt und dann 2x mit Marinelack lackiert. Das glänzt leider. Eine Politur mit Antikwachs sollte das ändern.
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Einen Garnrollen- und Garnhalter habe ich noch ergänzt. Einfach aus 3mm Messingdraht gefertigt und in entsprechend angebrachte Bohrungen gesteckt. Lässt sich auch einfach heraus ziehen, wenn die Maschine zur Pflege umgeklappt wird.
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Und schliesslich fand auch der Spuler wieder einen Platz. Da dauert das Spulen ein bisschen länger, weshalb vielleicht mal ein Elektro-Spuler auf der Projekteliste landet.
Die 134 tuts sehr gut, es musste nichts justiert werden. Bei dicken Fäden und robusten Stoffen hatte ich da auch keine Bedenken. Bei feineren Stoffen und Garnen war ich skeptisch. Die dünnste mir zur Verfügung stehende Nadel ist eine 90er. Abschliessende Tests mit dünneren Nadeln stehen noch aus. Leider passen keine System 34 Nadeln, davon hätte ich noch einige Vorräte.
Mit der schweren Schwungmasse lässt sich die Maschine ganz leicht und gleichmäßig drehen. Selbst bei sehr geringer Drehzahl geht das problemlos. Start und Stopp macht man sowieso mit der Hand am Schwungrad, das bin ich gewöhnt. Da stört die Schwungmasse auch nicht.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Etwas leid tut es mir um die Pfaff 31. Die mag ich sehr, sie wird aber wohl in Rente gehen. Erst mal wird sie eingelagert.

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