06. - 11. März 2018 Leinenhose

Jetzt sind ein paar Winterklamotten fertig geworden, aber der Sommer steht vor der Tür. Zeit, sich um passende Kleidung zu kümmern. Bei durchschnittlichen Temperaturen kann ich vorhandene Sachen tragen, wie z.B. die Jeans. Nur wenn es wärmer wird, wäre das zu warm. Leinen soll ja dann angenehm zu tragen sein. Also muss eine Leinenhose her (und Leinenhemden später vielleicht auch).
Grundlage ist das Schnittmuster für eine Bundfaltenhose Burda 03/2013 #7022, das man für 4 Euro als Download zum selber ausdrucken bekommen kann. Das stellt zwei Varianten bereit 2018 Mit engen Beinenden oder mit weiten Beinenden. Der Bereich bis Schritthöhe ist identisch geschnitten. Ich verwende den Schnitt für die breiten Beinenden, mache diese aber 8cm im Umfang schmaler. Weil 60cm sind definitiv zu viel :-)
Der Stoff kommt mal wieder von naturstoff.de, es ist der Artikel L21-020 Lino schlamm. Den gibts auch stonewashed, was viel besser aussieht, aber auch das Dreifache kostet. Lieber wärs mir, altes Leinen zu verwenden. Dafür wärs gut, erst mal Erfahrungen mit Leinen zu sammeln, damit man das beurteilen kann, was sich eignet und was nicht (und was wirklich Leinen ist und nicht nur Baumwolle in Leinenbindung). Altes Leinen bekommt man ja zuhauf bei Ebay, aber da kann man es nicht anfassen.
Ich bin auch gespannt auf die Haltbarkeit so einer Leinenhose. Der Hosenboden wird aufgedoppelt, von innen und möglichst unsichtbar, da am Fahrradsattel der Verschleiss hoch ist. Hoffentlich hält die Hose dann lange, Leinen wird ja durch Alterung schöner. Im Gegensatz zu modernen Stoffen...
Den Schnitt rädel ich wie immer zuerst auf Packpapier durch in meiner Größe, dann können auf dem Packpapier die Anpassungen gemacht werden.
Die Hosen-Vorderseite ist unterteilt in ein oberes und ein unteres Teil. Die Teile überlappen sich in Höhe der Oberschenkel um 18cm. Ab der mittleren Bügelkante bis zur Seitennaht bleibt das oben offen und bildet eine Tasche aus. Ein Designelement, das ich mir ausgedacht habe.
Die Bundfalte wird erst gefaltet und abgenäht, nachdem der Gürtelbund dran ist, der wird dann mit gefaltet. So lässt sich der Umfang mit überschaubarem Aufwand anpassen, sollte das mal nötig sein. Im Detail muss man da aufpassen, hier türmen sich schnell viele Schichten Leinen übereinander (der Innentaschenbeutel kommt ja auch noch hinzu).

Der Leinenstoff fällt schwer, mir gefällt er. Rechts sieht man den Saum der Beintasche. Im geschlossenen Bereich ist der Stoff nicht zweifach gefaltet, damit sich der nicht unnötig aufschichtet.

So sieht dann die Beintasche aus.

Die Taschenbeutel für die Seiteneingriffstaschen sind gegenüber dem Burda-Schnittmuster stark verkürzt. Ausserdem fertige ich sie aus dünnem Hemdenstoff, nur der aussen sichtbare Bereich ist mit Leinen belegt. Dies auch um zu vermeiden, dass sich zu viele Lagen von dem dicken Leinenstoff übereinander schichten.

So stelle ich mir das dann am Ende vor. Bis hierhin sind vom ersten Zuschnitt an knappe 4 Stunden vergangen. Ich komme langsam in Übung... (Nur die Fotoqualität wird irgendwie immer schlechter...)

Hinten gibts eine Paspeltasche, meine erste überhaupt und sicher nicht perfekt. Auf dem Bild oben rechts sieht man ausserdem die innenseitige Aufdoppelung am Hosenboden.

Eine Änderung des Schnitts gibt es am Reissverschluss 2018 Ich habe die Variante gewählt, die ich von der Jeans her kenne und auch schon bei der Lodenhose umgesetzt habe. So müssen da keine Passen nachträglich angesetzt werden.
Ein Bild der fertigen Hose gibts noch nicht. Passend dazu habe ich auch noch eine Flatcap aus dem übriggebliebenen Leinenstoff gefertigt. Jetzt ist aber immernoch einiges übrig, ein knapper Meter. Reicht das für eine Weste? ;-)
Als kleines Fazit lässt sich sagen, dass mit Leinenstoff gut zu arbeiten ist. Es trägt sich auch sehr angenehm. Fühlt sich tatsächlich recht kühl an, wobei es auch bei 3 Grad aufm Fahrrad noch tragbar war :-)
Ich habe die Hose allerdings zwei Nummern zu groß / zu weit genäht und dies später noch geändert. Dazu die Seitennähte und die Beininnennaht geöffnet, die Nahtzugaben herausgeschnitten und wieder zusammengenäht. Das ist keine optimale Vorgehensweise, aber die Hose sitzt nun dennoch viel besser.
Wenn sich geeignetes altes Leinen finden lässt, würde ich mir einige Hemden nähen. Zur Probe gibts erst mal ein Probehemd aus günstiger Baumwolle. Den Schnitt kann ich dann variieren.