25.03.2026: Reparatur einer Barbour Bedale Jacke aus den 80er Jahren
Aus einer kaputten zerschlissenen Jacke wurde eine reparierte zerschlissene Jacke. Mehr Kult geht bei Barbour kaum :-)
Nachtrag: Die unten zu sehenden braunen Ärmelenden wurden später durch grünem Stoff ersetzt. Ich hatte mich daran gestört. Der grüne Stoff stammt von den Ärmeln der Barbour Weste.
Ich mag es, hochwertige Vintage-Kleidung zu retten. Auf Ebay gab es eine alte zerschlissene Barbour Bedale für einen angemessenen Preis, also ohne Kult-Aufpreis. Das ist das Modell mit vier Taschen, das nur 1980 bis 1989 produziert wurde (danach zwei Taschen und Handwärmer). Diese ursprüngliche Bedale war die erste Jacke, welche Dame Margaret Barbour für den Reitsport entwarf. Die Jacke war kürzer geschnitten, damit sie bequem im Sattel getragen werden konnte. Alle nachfolgenden Modelle, Beaufort, Border und Northumbria, basierten auf der Bedale.
Man findet immer wieder Bilder von durchreparierten Barbourjacken mit mehr oder weniger bunten Flicken. Mir drängt sich der Verdacht auf, da wird auch mal ein Flicken gesetzt, wo vorher gar kein Schaden war :-) Jedenfalls gefällt mir das bis zu einem gewissen Grad. Und so wurden schon mal mögliche Reparaturmaterialien zusammengesucht. Auf der Rolle ist richtiges Wachstuch, allerdings relativ dünn. Dann gibts noch etwas Futterstoff. Der Rest sind Reste von Zeltstoffen, die bei mir übrig geblieben sind. Schon wasserdicht, aber noch ohne Wachs. Ich erlaube mir die Freiheit, zu gestalten was mir gefällt. So wild wird es aber gar nicht.
Ich bin schwer begeistert von der gerade gelieferten Jacke. Die Ärmel haben Schäden, aber der Rest sieht richtig gut aus. Minimale Löcherchen, hier und da ein loser Faden, verschlissene Kanten an Saum und Taschen. Die Frage ist, wie morsch der Stoff ist. Die Jacke stammt anscheinend vom Lande. In den Taschen fanden sich Reste von Heu und Stroh. Als wäre sie bei der Ernte getragen worden, oder im Reitstall. Wer weiss wie viele Jahre sie schon in einer Schuppenecke gehangen hat.
Die Jacke sieht sehr kutig aus. Und es ist die richtige Größe für mich. Nur die Ärmel sind zu kurz. Typisch für Barbourjacken aus den 80er-90er Jahren.
Das Futter ist ohne Schäden, aber sehr schmutzig. Das musste gereinigt werden, was nicht schonend ging. Neues Wachs braucht die Jacke eh, es war aber immernoch etwas im Stoff verblieben. Das merkt man wenn man mit dem Bügeleisen dran geht und das schmelzende Wachs den Stoff etwas dunkler färbt.
In den Ärmelfuttern sitzen noch die Bündchen, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Sie sind sehr eng und gefallen mir nicht für meinen angedachten Einsatzzweck bei milden Temperaturen. Wahrscheinlich fallen sie weg. Die Ärmel müssen 8-10 Zentimeter verlängert werden. Müssen also sowieso an den Nähten aufgetrennt werden. Die zerfetzten Ärmelenden und einige Löcher werden dabei auch gleich repariert. Die Ärmelfutter müssen natürlich auch verlängert werden.
So sieht der Ärmel aus, nachdem die Naht geöffnet und das Futter zurückgeschlagen ist. Aussenseite innen.
Auf der Inneseite wird unsichtbar ein Verstärkungspatch auf den Stoff genäht. So brauchen die Flicken aussen nur in minimaler Größe zu sein. Und der alte Stoff wird verstärkt. Zur Manschette hin bleibt Überlänge stehen.
Der ursprüngliche Schaden wird am neuen Stoff fixiert.
Hier kommt nun ein kleiner Flicken drauf.
Am gegenüberliegenden Ärmelrand war der Schaden größer und der Verstärkungsflicken auch.
Die fehlende Ecke ist schon mit abgedeckt.
Aussenflicken auch hier.
Die Ärmelverlängerung bekommt ebenfalls einen Verstärkungsstoff auf der Innenseite. Rundherum ist Übermaß, das kann man später zuschneiden.
Was rechts neben der neuen Naht übersteht, kann in einer Linie zum alten Stoff abgeschnitten werden.
Zum Schluss kam aussen der Stoff auf die Ärmelverlängerung. Die Ärmel werden 56cm lang ab der Naht, die in der Achselhöhle beginnt. Original waren es ca. 50cm. Wichtig ist, dass die Ärmelenden nicht zu eng werden. Man muss den Schnitt an den Seitenkanten also etwas öffnen. Das Futter wurde mit grünem Nylonstoff aus einem alten Regenponcho verlängert, und alles wieder zusammengenäht.
An dieser Tasche musste was geschehen, das Loch ist zu groß, und es gibt einige kleine Löcher. Die Taschenklappe ist schon abgenommen.
Um von hinten dran zu kommen wurde das Futter geöffnet.
Ein Flicken wurde eingesetzt und dabei von hinten wieder mit Stoff hinterlegt, die Taschenklappe wieder eingesetzt. Wenn man da schon mal dran ist, kann man auch die Kante vom Taschenbeutel mit Leder einfassen.
Das Futter wurde so wieder zugenäht. So wie es vorher war hätte man es nur mit Handstichen hinbekommen.
Fertige Reparatur. Der Flicken geht seitlich bis unter die Nähte. Das erscheint mir haltbarer.
Hier gab es zwei kleine Löcher, für die kein großer Flicken aufgesetzt werden sollte. Sie wurden mit hinterlegtem Originalstoff, Reste der Ärmelenden, vernäht. Die Jacke hat noch einige kleine Löcher. Solange die nicht größer werden, wird da nichts gemacht.
Die fertig reparierte, noch ungewachste Jacke. Endergebnis siehe oberstes Foto.
Nachtrag: Die untere Saumkante sah mir zu verschlissen aus und sollte mit Leder belegt werden. Da kam noch eine Idee dazu: Ein Nylon-Schlauch kam innen an die vorderen Saumkanten. Hier hinein eine Schnur. Jetzt lässt sich die Vorderkante etwas formen. Zieht man die Schnur leicht straff, biegen sich die Ecken nach innen. Das sieht besser aus. Eine unauffällige Veränderung, die optisch einiges ausmacht.
So kam die Lederkante rundum dazu. Sieht wertiger aus.